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«An der Tessiner Grenze mussten wir Flüchtlinge fangen»Pfarrer Karl Stokar, Jahrgang 1921, 8049 Zürich Katholiken halfen uns Reformierten im Entlebuch Flüchtlinge fangen an der Grenze Es kamen deutsche Deserteure. Sie waren auch in Lebensgefahr, denn in der Wehrmacht wurde jeder wieder erwischte deutsche Fahnenflüchtige hingerichtet. Sie durften deshalb auch bei uns bleiben. In der Schweiz bleiben durften auch Deutsche, die mit Dokumenten nachweisen konnten, dass sie als Angehörige der sozialistischen oder kommunistischen Partei in Deutschland in Lebensgefahr waren. Solche Personen kamen nur wenige. Die Juden trugen weder Uniform noch solche Dokumente auf sich. Sie wurden wieder ausgeschafft. Es sollen während des Krieges 30'000 Juden in die Schweiz aufgenommen worden sein. Die gleiche Anzahl durfte nicht bleiben. Uns Soldaten sagte man: «Die Juden werden in Polen in der Landwirtschaft beschäftigt.» Das schien uns ganz vernünftig zu sein. Von den Konzentrationslagern wussten wir nichts. Unterschwelliger Antisemitismus Es gab in der Schweiz Menschen, die mit dem Nazi-Regime in Deutschland liebäugelten – bis in die gut gestellten Volksschichten hinauf. Das hing wahrscheinlich mit dem unterschwellig vorhandenen Antisemitismus zusammen. © Reformierte Medien und Autor |
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