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Ich während des Zweiten Weltkriegs – Pfarrer erinnern sichKinderblick auf den Zweiten Weltkrieg Von Monika Dettwiler* Viele von uns haben von Eltern oder Grosseltern nicht mehr über den Zweiten Weltkrieg gehört als Geschichten über Verdunkelungsvorhänge oder Buttermärkli. Es gibt aber neben der aus Akten aufgearbeiteten offiziellen Kriegsgeschichte noch eine andere, lebendige, von Ängsten und Dramatik geprägte persönliche Erzählung. 50 Pfarrerinnen und Pfarrer älter als Jahrgang 1933 haben ihre Erinnerungen durchforscht und für die Wochenzeitung «Reformierte Presse» und für diese Webdokumentation ihre Erlebnisse und Gefühle aufgezeichnet, die sie als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene hatten. 50 Pfarrpersonen, der jüngste 76, der älteste 100 Jahre alt, steuerten Augenzeugenberichte bei. Die wenigsten Texte kamen per E-Mail. Einige waren mit dem PC geschrieben, andere mit der Schreibmaschine, viele zittrig von Hand; diverse Pfarrpersonen liessen sich interviewen, weil die Augen oder die Finger nicht mehr mitmachen wollten. Speziell sind die Berichte, weil viele Erzählende selber als Kinder von Pfarrern oder sonst in der Öffentlichkeit engagierten Vätern aufgewachsen sind. «Nachts klopften klatschnasse jüdische Flüchtlinge an unsere Pfarrhaustür», erinnert sich ein Pfarrer, der in St. Margrethen aufwuchs. Ein anderer berichtet von seiner Kindheit auf dem Gelände von Mission 21; eine Pfarrerin, in der Jugend Labor-Stift, betreute im Kantonsspital St. Gallen KZ-Überlebende. Andere erzählen, wie die Eltern sich vehement gegen den Ungeist aus Deutschland auflehnten oder wie Nachbarn und Verwandte zu den Fröntlern gehörten. Was an den Zeitzeugenberichten verblüfft, ist die Detailgenauigkeit. Die meisten Erzählenden waren damals Kinder oder Jugendliche. Sie berichten also eins zu eins persönliche Erfahrungen, die sich tief in ihrer Erinnerung eingebrannt und die das Denken und Handeln ihres Lebens geprägt haben. Am meisten aber erstaunen die Offenheit und Gradlinigkeit. Vielleicht, weil ihr Leben längst in der Spur ist, weil sie sich weder um political correctness noch um eine Arbeitsstelle oder Karriere kümmern müssen, erzählen sie ohne Hemmungen und machen auch vor dem Persönlichsten nicht Halt. * Monika Dettwiler ist Co-Chefredaktorin der «Reformierten Presse». 1. Teil«Mein Bruder war Mitglied der Fröntlerjugend» «Als Schüler-Journalist wegen Landesverrats angeklagt» «Pfarrer abgewählt wegen Anti-Nazi-Predigten» «Nach dem Anschluss gab es jenseits des Kanals in Österreich ein Riesenfest» «Onkel Eduard war ein Fröntler» «Ich war Laborstift bei KZ-Überlebenden im Kantonsspital St. Gallen» 2. Teil«Vaters geistig-religiöser Kampf gegen den ungeist aus Deutschland» «Die Ablehnung Deutschlands hat mich für 20 Jahre geprägt» «Soldaten wollten unser Haus in Zürich sprengen» «Eine jüdische Flüchtlingsfamilie läutete an unserer Haustür» «Im Nachbarhaus war ein Hitlernest: Wir hatten Angst» «Nazisympathisanten in der Basler Mission» 3. Teil«Der Nachbar wäre beim Einmarsch Gauleiter geworden» «Christliche Kreise hatten oft viel Sympathie für Hitler» «Wir haben hautnah erlebt, wie jüdische Flüchtlinge über die Grenze kamen» «In unserer Nachbarschaft, gleich neben Thomas Mann, wohnte ein Nazi» «Vater, ein evangelischer Journalist, wurde von der Zensurbehörde in Bern gerügt» «Wir begegneten der Nazipropaganda auf Schritt und Tritt» 4. Teil«In Basel hatte man Angst, und die Kirche war gut besucht» «Vom Hilfsdienst Basel wurden mir Flüchtlingsfamilien anvertraut» «Die Briefe des hingerichteten Landesverräters» «Mit Kinderaugen die verdunkelte Stadt erleben» «Auf dem Buch des jüdischen Professors stand plötzlich ein arischer Name» «Als Theologiestudent in Holland» 5. Teil(Pfarrer, die als Kinder oder Jugendliche in Deutschland, Österreich, Holland oder Frankreich waren während des Krieges) «Als Schweizer im Dienst der Kriegsgefangenenhilfe in Danzig D» «Bei uns in Holland gingen die Deutschen ein und aus» «Die Gestapo kam wegen Vaters Losungsbriefen» «Unser Erzieher in Wien war ein SS-Unterscharführer» «Mein Vater, ein Arzt, wurde von der Gestapo in Schutzhaft genommen» «Meinem Vater, dem Pfarrer, erzählten Verwundete von Juden-Ermordungen» «Vom Himmel gefallene Kirchgesangbücher in Frankreich» 6. Teil«An der Tessiner Grenze mussten wir Flüchtlinge fangen» «Mein Onkel sympathisierte mit den Nazis» «Aus dem Tagebuch meiner Mutter, die beim FHD war» «Falsche Klischees über Schaffhausen» «An der Grenze sahen wir deutsche Soldaten wegrennen» «Im Reppischtal ZH war ein Konzentrationslager geplant» 7. Teil«Vor dem Hirschen in Winterthur-Töss hat Vater die Fröntler verprügelt» «Mein Vater, der Pfarrer, wäre als einer der ersten verhaftet worden» «Vaters Abschied von der Familie» «Niemand wusste, ob Hitler kommen würde» «Meine Familie bangte um ihren Handelsbetrieb auf den Philippinen» «Es gab schwarze Listen mit Nazi-Sympathisanten» 8. Teil«Der Lehrer schlug vor, die Turnhalle in der Synagoge zu bauen» «Vater tat mit dem Velo den Diaspora-Pfarrdienst im Fricktal» «Kritischer Geschichtslehrer motivierte mich zum Theologiestudium» «Wir mussten uns Deutschland anpassen» «Die Gymi-Aufnahmeprüfung machte ich im Luftschutzkeller» «Als ich Pfarrer wurde, tobte der Krieg schon das zweite Jahr» |
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