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Bekenntnis: Ist die Basis ausgeschlossen?Von Monika Dettwiler * Vor Beginn der Vernehmlassung zum «Werkbuch Bekenntnis» hat SEK-Ratspräsident Thomas Wipf gesagt, es sei typisch reformiert, dass dieses Glaubensgespräch an der Basis in den Kirchgemeinden geführt werde. Typisch reformiert wäre auch, wenn alle Kirchenmitglieder an der Vernehmlassung teilnehmen dürften. Dem ist aber nicht so. Ohne über kirchenbürokratische Wege verteiltes Passwort geht auf www.ref-credo.ch nichts, und eine Registriermöglichkeit für interessierte Nichtkircheninsider fehlt. Schade. Auf der Website steht denn auch, zur Vernehmlassung seien Pfarrpersonen und Pfarrkapitel, Kirchgemeindebehörden, kantonale Kirchenexekutiven, Kirchgemeinde- und Erwachsenenbildungsgruppen zugelassen. Gerade die teilweise Ausrichtung auf mehrköpfige Gremien löst allerdings Skepsis aus. Kaum vorstellbar (und völlig unreformiert), dass sich ein Pfarrkapitel, eine ganze Ortsbehörde oder Kantonalkirchenexekutive zu einer einheitlichen Vernehmlassungsantwort durchringen könnte! Kürzlich, an einem Weiterbildungstag des Zuger Kirchenparlaments, habe ich erlebt, wohin reformiertes Selberdenken und typisch reformierte Vielfalt führen. Selbst nach guten Referaten entwickelten die Gesprächsgruppen grosse Eigendynamik, und das Gesagte konnte auch im Plenum unmöglich zu einer Einheitsmeinung destilliert werden. Dies, obwohl die meisten Teilnehmenden vorher keine Gelegenheit gehabt hatten, das Werkbuch zu studieren, und ihnen statt mehrerer Bekenntnisvarianten einzig das «Credo 2008» zur Diskussion vorgelegt wurde. Die Leiterin unserer Gruppe, eine Pfarrerin, meinte, ein einheitliches Bekenntnis sei kaum gegen den Willen der Pfarrschaft durchzusetzen, und die sei bestimmt mehrheitlich dagegen. Das reizte die Laien zu Widerspruch und weckte in einzelnen die Lust, selbst an der Vernehmlassung teilzunehmen. Aber eben, das geht ja nicht, denn ausser «normalen» Kirchenmitgliedern sind auch Synodale als Vernehmlassungsteilnehmende nicht vorgesehen. Kollektivantworten wiederum werden schwer einzuordnen sein, weil jede Gruppe (selbst wenn sie sich zur Einheitsmeinung durchringt) aufgrund völlig verschiedenen Vorgehens zu völlig verschiedenen Resultaten kommen dürfte. Im Kanton Zug lag einzig das «Credo 2008» zur Diskussion vor. Im Flyer zur OeME-Herbsttagung der Kirchen Bern-Jura-Solothurn hingegen steht als Auftakt jenes Gedicht Kurt Martis, das dem «Credo» Vorlage war. Mit gutem Grund übrigens. Als meine Gruppe Martis Text vorgelesen bekam, fanden einige die Vorlage sprachlich und inhaltlich schöner und stärker. Auch ich. Die Alternative «Marti-Gedicht oder Credo» bietet die Vernehmlassung aber leider nicht. Da ist nur vom Text RB 21 die Rede, der den Weg vom Gedicht zum «Credo» aufzeigt. Man kann jedoch nicht entweder die Vorlage oder aber die gewöhnungsbedürftige – weil harmlosere – korrigierte Version, das «Credo 2008», wählen. So oder so: Ich plädiere für eine Vernehmlassung bei allen interessierten Kirchenmitgliedern. Ein Bekenntnis, das Teil der Liturgie werden könnte wie das «Unser Vater», sollte vom Kirchenvolk ausgewählt werden und nicht nur von kirchlichen Funktionären. Monika Dettwiler ist Co-Chefredaktorin der Reformierten Presse. Quelle: Reformierte Presse 39/10 |
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