Evang.-ref. Kirchgemeinde
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Interview mit Michael Pfenninger

Im Vikariat von der Theorie zur Praxis

Unsere Landeskirchen haben heutzutage in der Gesellschaft einen andern Stellenwert als noch vor wenigen Jahrzehnten. Was gefällt Dir am Beruf des Pfarrers ?

In der gegenwärtigen Umbruchphase in unserer Kirche hat sich insbesondere die Stellung des Pfarrers und dessen Bild in der Gesellschaft verändert. Ich sehe diese Veränderungen auch als eine Chance. Für mich ist es ein Privileg, Menschen in der Gemeinde zu erleben und manchmal sogar in schwierigen Situationen ein Stück zu begleiten. Dass die Kirche und die Pfarrpersonen ihre früheren Privilegien verloren haben, stört mich dabei überhaupt nicht.

Du hast nach der Matura mehrere Jahre mit Erfolg Theologie studiert. Und mit Engagement für Dich alleine gelernt. Im Pfarramt arbeitest Du für Dein „Publikum“. Wie gross ist der Schritt vom Studenten zum Berufsmann ?

Er ist gross, aber ich fühlte mich durch das Studium darauf gut vorbereitet. Hier habe ich mir einen grossen „Rucksack“ mit Wissen anfüllen können. Als Pfarrer habe ich allerdings eine grössere Verantwortung. Meine Arbeit ist sehr vielfältig. Ich begegne z.B. Menschen jeden Alters. Entsprechend unterscheiden sich auch die Ziele meiner Aufträge. Spannend und herausfordernd ist, dass ich viele Sachen zum ersten Mal mache.

Dein einjähriges Vikariat begann im Sommer 2016. Alles war neu für Dich: die Kirchenpflege, die Menschen im Gottesdienst, Deine „Lehrmeisterin“ Rosina Christ, SchülerInnen, etc. Was hat Dich in unserer Kirchgemeinde besonders beeindruckt ?

Zuerst natürlich der warmherzige Empfang in der Kirchenpflege sowie in der Gemeinde. Ich spüre bis heute viel Unterstützung. Gefallen finde ich auch am Engagement von Freiwilligen, Angestellten und der Kirchenpflege, wie z.B. am Osterzmorge oder am monatlichen „Gebet in Hölstein“. Beeindruckend sind ebenso die lebendige Jugendarbeit sowie das ermutigende Schaffen im Pfarrteam.

Du unterrichtest Kinder und Jugendliche bis zur Konfirmation. Anderseits haben christliche Werte in vielen Familien an Bedeutung verloren. Was heisst das für die Gestaltung der Lektionen ?

Unterrichten ist anspruchsvoll, vor allem, da Pädagogik im Theologiestudium nur eine Randdisziplin ist. Es macht mir aber Spass, mit Religion ein Fach zu unterrichten, das ein bisschen „anders“ ist. Hier geht es um das Christentum, aber auch um andere Religionen – wir haben in zwei Klassen auch einen Blick auf den Islam geworfen.

 

Glaube ist Privatsache, hört man oft. Dennoch leitest Du einen Glaubenskurs für Erwachsene. Wie hast Du die bisherigen Abende erlebt ?

Glaube ist zum einen Privatsache, zum andern in der Gemeinschaft intensiv erlebbar. Sozial verbindend. Ich beobachte aber, dass Religion für viele Menschen ein Tabu ist. Das finde ich schade – es ist gut, wenn man auch darüber spricht, was man glaubt. Darüber, was einen im Leben trägt. Daher fand ich auch die zwei Austauschabende in unserer Gemeinde, die ich mit Freiwilligen zusammen vorbereiten konnte, sehr spannend und gewinnbringend.

Du besuchst Pflegebedürftige zuhause oder im Spital, begleitest Angehörige Verstorbener. Als  Seelsorger. Was ist Dir dabei wichtig ?

Das Wichtigste ist das Zuhören. Damit schenke ich dem Gesprächspartner und seinen Anliegen Raum und etwas Zeit. Vielleicht eröffnet sich beiden eine neue Perspektive, vielleicht gibt es Momente von Trost oder Zuversicht, auch wenn sich die Situation an sich selten einfach so ändern lässt. Als junger Pfarrer begleite ich Menschen, die in der Regel sehr viel mehr Lebenserfahrung haben. Wenn erwünscht, wird in der Seelsorge auch über den Glauben gesprochen oder gebetet. Seelsorge betreiben in einer Gemeinde aber nicht nur die Pfarrpersonen – jeder kann Seelsorger für seine Nächsten sein!

Einem Pfarrer in einer Kirchgemeinde obliegt die geistliche Leitung. Die Erwartungen sind hoch. Welche Unterstützungen aus der Gemeinde wären hilfreich?

Wichtig finde ich ehrliche Feedbacks. Ein Feedback kann für einen Pfarrer wertvoll sein. Als Lob wie als Kritik.

Vielen Dank für Deinen Einsatz.  Ich wünsche Dir alles Gute und Gottes Segen.

 

                                                                                            

Von: Johannes Schweizer

Datum: 12.06.2017